"Die Spieluhr"

Stefan Schramm
Es war dereinst zur zwölften Stund
Der Glockenschlag tat dieses kund
Ein Mann in einer Ecke saß
Bei einem Wein sein Leid vergaß
Sein Blick der ruhte still und sacht
Auf einer Schönheit dieser Nacht
Sie tanzte nur für ihn allein
Sein Herz sollt ewig ihres sein

Der letzte Ton ganz leisī verging
Schon war sie fort die Tänzerin
Ein leises Seufzen ihm entwich
Bevor er still nach Hause schlich
In Traum lies sie ihn nicht allein
Und wollt für immer bei ihm sein
Am jedem Tag zog er umher
Und doch fand er sie nimmermehr

Er suchte nach ihr Jahrelang
Nach ihrer Schönheit, ihrem Klang
Sein kaltes Herz wurd plötzlich warm
Als er auf einem Markt vernahm
Den Klang der einst in dieser Nacht
Die Tänzerin zu ihm gebracht
Den Klang der raubte den Verstand
Er eine kleine Spieluhr fand

Aus Ebenholz und Elfenbein
Verziert mit Silber, hell und rein
Geöffnet war sie , mitten drin
Das Abbild seiner Tänzerin
Die stets sich unermüdlich dreht
Bis einst ihr Lied zu Ende geht
Schnell kaufte er sie und verschwand
Mit seiner Spieluhr in der Hand

Die Zeit verging, auf Nacht folgt Tag
Und keiner von uns es vermag
Zu spüren was der Mann gespürt
Wenn er Spieluhr hat berührt
Warīs Liebe, Wahnsinn oder Hass?
Er wurde Alt sein Haar wurd blass
Lebte nur, seine Lebenlang
Zu lauschen seiner Spieluhr Klang

Das Volk es hielt ihn für verrückt
"Der Klang der Spieluhr ihn entzückt"
War für den Mann doch nur der Sinn
Die Sehnsucht nach der Tänzerin
Und doch erinnert man sich gut
Als er im Tode sprach mit Mut
"Mit dieser Spieluhr nur allein
Da will ich einst begraben sein"

Und schließlich grub man ihm zum Grab
In einem schlichten Eichensarg
Ein Priester fromme Worte sprach
Ein kleines Kind in Tränen brach
In Gottes Acker er verschwand
Mit seiner Spieluhr in der Hand
Die Trauerschar verschwand sehr bald
Ein Lied nur aus dem Grabe hallt


-->Download als PDF<--

zurück