"Die Tugenden"

Stefan Schramm
Einst war ein einfach Spielemann
noch jung doch ziemlich wohlgemüt
Zu Gast bei einem Edelmann
des´ Weisheit war schon voll erblüht

Sie redeten gar viele Stund
mal ernst, mal heiter ohne Sinn
Bis dann der Edelmann tat kund
"Was hälst du von den Tugenden?"

Der Spielmann sagt "Hoher Herr
Der Tugenden, der gibt es viel
Doch sie zu Leben fällt mir schwer
Bin ich doch Streuner ohne Ziel"

"Soll leben ich Barmherzigkeit?
Glaube, Demut, Ehrlichkeit?
In Wahrheit und Gerechtigkeit?
Mit Stärke und auch Mäßkeit?"

"Ein Spielmann ist ein Kind der Muse
und daher folgt er frank und frei
den Winden und tut einzig Buße
den Tugenden der Narretei"

Der Edelmann die Braue hob
"Mein junger Freund ich bin empört
Denn sei dir sicher, ich gelob
dass ich noch nie davon gehört!"

Der Spielmann lachte "Wirklich nicht?
Nun gut, ich helf´ euch, seid nicht bang
Denn wenn ihr wollt erzähle ich
Von "Wein" und "Weib" und auch "Gesang"

"Der Wein steht für Geselligkeit
Für Feiern und für den Genuß
Für Feste und Gemütlichkeit
Für Frohsinn wider dem Verdruß"

"Das Weib es steht für Liebelei
Für Zweisam und auch Zärtlichkeit
Für liebe Blicke, Küsse frei
von Leiden und die Herrlichkeit"

"Und für die Kunst steht der Gesang
Für Lieder und die Poesie
Für Heldensagen und den Klang
wenn Frohsinn in die Länder zieh"

Der Edelmann er nickte sacht
"Mein junger Freund, ich bin geehrt
Nichtmal im Traum hätt´ ich gedacht
Das einst ein Spielemann mich lehrt."

Drum, alle ihr Leut, ob arm ob reich
Wenn Frohsinn euch nicht einerlei
Dann tut es doch den Spielleut gleich
den Tugenden der Narretei


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